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Kurt Brenner
In der heutigen Zeit ist es eher ungewöhnlich, dass Personen bereit sind, für ihre politischen Überzeugungen einzustehen, wenn das für sie mit Nachteilen verbunden ist. Oft wird dabei der eigene Opportunismus realpolitisch verbrämt.
Ganz anders stellt sich da das Leben von Kurt Brenner dar, der 1920 Wiederbegründer der Arbeiterjugend und 1924 der Jusos in Idar-Oberstein war und stets für seine politischen Überzeugungen eingetreten ist. Auch Verfolgung und Terror, die er wiederholt erleiden musste, haben ihn dabei nicht abgeschreckt.
Kurt Brenner, der in Oberstein die Jungsozialisten ins Leben rief, war ein überzeugter Sozialdemokrat und Patriot. Die Verfolgungen die er erdulden musste – durch die französische Besatzungsmacht, durch die Nationalsozialisten und durch das stalinistische Regime in der SBZ – haben ihn nie daran gehindert, sich immer wieder aufs Neue für die SPD einzusetzen und für eine gerechte, solidarische und freie Gesellschaft zu kämpfen.
Es ist sehr bedauerlich, dass Brenner in seiner Heimatstadt, aber auch in der SPD, in Vergessenheit geraten ist.
Lebenslauf
- geboren am 20. April 1904 in Oberstein
- Lehre als Goldschmied
- 1919 Eintritt in die SPD
- 1920 Mitbegründer der "Arbeiterjugend" in Oberstein, später auch deren Vorsitzender, Volontär bei der Parteizeitung "Nahetal-Bote"
- 1923 Verhaftung durch die französische Besatzungsmacht, er wird von einem Kriegsgericht zur Haft verurteilt, Haft in Metz, dann ausweisung aus dem Rheinland
- 1924 Vorsitzender der Jungsozialisten in Oberstein
- 1926 Gauleiter der Jungsozialisten "Obere Rheinprovinz" (Saarbrücken bis Aachen)
- 2. Vorsitzender des SPD-OV Oberstein
- 1926/27 Besuch der Heimvolkshochschule Gera und Tinz (die damals alle bekannteren Juso-Funktionäre besuchten), anschließend vom ADGB (Gewerkschaftsbund) zur Akademie der Arbeit nach Frankfurt a. M. entsandt
- 1928 Wahlkampfredner im gesamten Kreis Birkenfeld
- Juli 1928 Volontär beim SPD-Parteivorstand in Berlin, Brenner wird nach Bielefeld geschickt, wo er unter anderen für Carl Severing arbeitet
- 1929 Rückkehr zum Parteivorstand nach Berlin, Entsendung durch Otto Wels nach Halle
- 1929-1933 Mitglied im Reichsausschuss der SAJ
- 1929-1933 Jugend- und Parteiarbeit im SPD-Parteibezirk Halle-Merseburg
- Juni 1933 Verhaftung, 6 Monate "Schutzhaft", anschließen bis 1936 Polizeiaufsicht (tägliche Meldung, zu unterschiedlichen Uhrzeiten bei der Polizei)
- April 1940 Verhaftung und schwere Mißhandlungen durch die GESTAPO wegen illegaler Parteiarbeit
- September 1940 Freispruch (!) durch das Kammergericht Berlin, dennoch Verhaftung und Einweisung in das Konzentrationslager Dachau, er hat die Häftlingsnummer 28983
- beim "Empfang" schwere Mißhandlungen, die einige, die mit ihm eingewiesen wurden nicht überleben
- bis April 1941 Einzelhaft unter schweren Bedingungen
- nur knapp entgeht er Malaria-Versuchen
- 1945 Befreiung
- Juni 1945 Leiter des Wohlfahrtsamt, dann Leiter der Hauptverwaltung in Ammendorf
- März 1946 von der Sowjetischen Militäradministration aus politischen Gründen seiner Ämter enthoben
- anschließen SPD-Bezirkssekretär, nach der Zwangsvereinigung Mitglied im SED-Landesverband Sachsen-Anhalt
- Juli 1948 Flucht nach Hannover, Mitarbeit im SPD-Parteivorstand unter Kurt Schumacher, später beim SPD-Bezirksvorstand Hannover
- 1953-1960 SPD-Bezirkssekretär Hessen-Süd in Frankfurt
- 1960-1969 Verwaltung des Landes Hessen
- zahlreiche politische Ämter auf lokaler Ebene, in den 80er Jahren Mitglied im Bundesvorstand der Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten ( AvS )
Kurt Brenner in der KZ Uniform
Kurt Brenner Anfang der 80er Jahre
Kurt-Brenner Ehrenbrief
Seit dem Jahr 2005 verleiht der Juso-Kreisverband den Kurt-Brenner Ehrenbrief. Dadurch wollen wir beseondere Verdienste um die Jusos im Kreis honorieren und an Kurt Brenner erinnern.


