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BA, 23.08.2006
Birkenfelder Anzeiger, 23.08.2006
Gute Resonanz bei Flassbeck Veranstaltung – Kritik an deutscher Wirtschaftspolitik
Gleich zu Anfang der Veranstaltung hieß es Stühle schleppen. Die Resonanz überstieg alle Erwartungen und die gestellten 35 Stühle reichten schon Minuten vor der Veranstaltung nicht mehr. Am Ende konnte Holger Noß, fast die doppelte Zahl von Interessierten begrüßen, die der Einladung von SPD und Jusos, zum Vortrag von Prof. Dr. Heiner Flassbeck, gefolgt waren. In seiner Einleitung skizzierte Noß die beruflichen Stationen Flassbecks: Abitur in Birkenfeld, Studium in Saarbrücken, Arbeit im Bundeswirtschaftsministerium in Bonn, beim DIW in Berlin, dann zwei Jahre Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und seit 2000 bei der UNCTAD, einer UN-Organisation, in Genf. Seit diesem Jahr ist er auch Honorarprofessor in Hamburg. Jüngst präsentierte er sein Buch „50 einfache Dinge, die sie über unsere Wirtschaft wissen sollten“, aus dem er einige seiner Positionen vorstellte. Gleich zu Anfang seiner Ausführungen sorgte Flassbeck für Überraschung, als er die These vertrat, Deutschland lebe unter seinen Verhältnissen. Deutschland sei seit Jahren Exportweltmeister. Es sei damit ein Überschuss der Exporte gegenüber der Importe vorhanden, die Deutschen würden also folglich weniger ausgeben, als zur Verfügung steht. Auch zur Generationengerechtigkeit und der Demographiediskussion ging er ein. Kritisch zeigte der Wirtschaftsexperte sich gegenüber einer Senkung der Unternehmersteuer, um Deutschland „wettbewerbsfähiger“ zu machen. „Wie,“ so Flassbeck, „kann Deutschland Exportweltmeister sein, wenn wir nicht wettbewerbsfähig wären? Wieso kaufen denn all die Ausländer unsere „schlechten“ deutschen Produkte?“
Flassbeck beleuchtete in seinem Vortrag auch die Arbeit der UNCTAD. Die UNCTAD stellt sich die Frage, wie die Weltwirtschaft international sinnvoll funktionieren kann. Dafür gäbe es eine einfache Regel: Jeder muss sich an seine Verhältnisse halten. Aber die deutsche Politik der vergangenen Jahrzehnte beinhaltete die Zielsetzung, den Gürtel immer enger zu schnallen, um Deutschland noch besser zu machen. Damit würde Deutschland das genaue Gegenteil einer sinnvollen Wirtschaftspolitik machen. Eine Tatsache, die auch der im September erscheinende UN-Report kritisiere. Im Anschluss an seinen Vortrag stellte sich Prof. Flassbeck den Fragen der Anwesenden. Dabei ging es unter anderem um aktuelle Fragen der Wirtschafts- und Finanzpolitik, Fehler der Deutschen Einheit oder der Zukunft des EURO.

