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NZ 26.05.2004

Nahe-Zeitung, 26.05.2004
Ein Leben im Schatten des Reichsleiters
Martin Bormann junior ist dennoch seinen Weg gegangen: "Keiner wird seine Eltern je los"


IDAR-OBERSTEIN. Von seinem "Leben gegen Schatten" referierte Martin Bormann, der älteste Sohn des NSDAP- Reichsleiters, im Pfarrsaal der Katholischen Pfarrgemeinde St. Walburga. Zuerst erzählte der Religions- und Deutschlehrer Geschichten aus seinen Jugendjahren. Danach hatten die etwa 50 Zuhörer Gelegenheit, Fragen an ihn zu richten.
Nachdem die "Reichsschule der NSDAP Feldafing" am Starnberger See Ende 1945 aufgelöst wurde, wurde auch der 15-jährige Martin noch an die Südfront geschickt. Doch letztendlich kam er zum "Querleitner Bauer", dessen Familie ihn aufnahm und bis 1947 seine "Ersatzfamilie" war.
Später kam Bormann nach seiner "Enttarnung" wieder nach Deutschland und studierte nach einem Noviziatsjahr Philosophie und Theologie in Innsbruck. Einige Jahre lang war er danach als Missionar im Kongo tätig. Am 25. April 1971 stieß der damals 41- jährige mit einem amerikanischen Militärlastwagen bei Vilseck in der Oberpfalz zusammen und entkam nur knapp dem Tod. Daraufhin trat er aus der Ordensgemeinschaft aus und nahm eine Stelle als Religions- und Deutschlehrer in Westfalen an, 1992 wurde er pensioniert.
Auf die Frage nach der Auseinandersetzung mit seinem Vater, antwortete Bormann: "Ihm verdanke ich mein Leben." Aber: "Keiner von uns wird seine Eltern je los." Bormann jun. verneinte die Frage, ob er ein Trauma davongetragen habe, als ihm die Schwere der Schuld des Vaters vor Augen geführt wurde. Auch habe er im Ausland niemals schlechte Erfahrungen gemacht: Sein Name sei dort nicht ganz so bekannt wie in Deutschland, so dass die Menschen ihn nicht direkt mit seinem Vater identifizieren würden.
Martin Bormann sen. gehörte von 1928 bis 1930 dem Obersten Führungsstab der Sturmabteilung (SA) an. Als er 1933 zum Reichsleiter der NSDAP ernannt wurde, bekam er auch die Verwaltung des Hitlerschen Privatvermögens anvertraut. Im Mai 1941 übernahm Bormann die Aufgaben von Rudolf Heß und hatte somit Befugnisse eines Reichsministers. Schließlich wurde er 1943 auch zum privaten "Sekretär des Führers" ernannt.
Die Zuhörer folgten den Ausführungen Bormanns sehr aufmerksam und waren sichtlich froh, zum Schluss ihre Fragen, welche sich hauptsächlich auf das Verhältnis zu seinem Vater bezogen, stellen zu können. Martin Bormann nahm sich auch geduldig Zeit, diese zu beantworten. Eines betonte der Rentner an diesem Abend ganz besonders: "Artikel eins der Menschenrechte sollten wir uns nicht nur hinter die Ohren, sondern auch ins Herz schreiben." (em)

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