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BA 02.06.2004

Birkenfelder Anzeiger, 02.06.2004
Zeitzeugengespräch der Jusos führte nach München –
Hans-Jochen Vogel stand Rede und Antwort

Zu ihrem vierten Zeitzeugengespräch, das von den Vorsitzenden Stefanie Brill und Holger Noß moderiert wurde, trafen sich die Birkenfelder Jusos mit dem ehemaligen SPD-Parteivorsitzenden Hans-Jochen Vogel in München. Dafür kehrte Vogel an seine alte Wirkungsstätte, das Münchener Rathaus zurück, wo er die jungen Gäste empfing. Am Abend zuvor feierte er noch den Geburtstag des Kanzlers in Hannover und war extra für das Gespräch um halb fünf aufgestanden, um den ersten Flieger nach München zu bekommen. „Das hat auch etwas mit Sekundärtugenden zu tun“, so Vogel. In seiner Einführung lobte er das Engagement der Birkenfelder Jusos, über deren Arbeit er sich bereits beim letzten Bundesparteitag im Gespräch informiert hatte. Rund zwei Stunden wandelten die interessierten Jusos auf den biografischen Spuren Vogels. Von seiner Zeit als Oberbürgermeister in München, Erinnerungen an die Olympiade 1972, sein Amt als Justizminister während des „Deutschen Herbst“, Regierender Bürgermeister von Berlin. 1983 SPD-Kanzlerkandidat und Fraktionsvorsitzender und schließlich Nachfolger Willy Brandts als Parteivorsitzender. Interessant war auch der Überblick über die SPD-Geschichte der vergangenen Jahrzehnte, den der ehemalige Parteichef gab. Er verwies dabei auf die vielen positiven Beispiele sozialdemokratischer Politik. Zugleich kritisierte er Bestrebungen einiger weniger Parteimitglieder, eine neue Partei zu gründen. „Nur ein halbes Prozent, die solch eine Partei erzielen könnte, kann die SPD, der diese Stimmen fehlen, den Wahlsieg kosten!“, warnte der Politiker. Mit ihrem Verhalten spielten diese „Kritiker“ vor allem der Union in die Hände. Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass ausgerechnet die kritisierten Bereiche, von der CDU in vielfacher Schärfe umgesetzt werden würden. Aber es sei eine unsozialdemokratische Handlung die Regierung zu loben, stellte Vogel ironisch fest. Wer allerdings vermutet, Vogel hätte nur in Erinnerungen an alte Zeiten geschwelgt, liegt falsch. Dazu steht Vogel noch zu nah am Geschehen, wenn auch nicht mehr in aktiver Position, so ist seine Meinung nach wie vor in der SPD, aber auch in den Medien gefragt. In den Ausführungen von Vogel wurde sehr deutlich, wie sich der Politiker mit den Fragen der Zeit auseinandersetzt. Neben Entwicklungspolitik- „Wir jammern hier immer wieder. Haben wir denn gar keine Vorstellung, wie die Mehrheit der Menschheit lebt?“ – Terrorismus, demografischer Entwicklung ging er auch auf die Probleme der Globalisierung ein. Am Ende des Gesprächs gab er den Jusos den Ratschlag, aktiv zu bleiben, anzupacken, da „nur wer anpackt hat auch eine Chance etwas zu erreichen. Das restliche Wochenende nutzten die Jusos, bei strahlendem Sonnenschein, um die Landeshauptstadt zu erkunden. Bereits jetzt gibt es erste Vorbereitungen für das nächste Zeitzeugengespräch.

Gruppenbild mit Hans-Jochen Vogel im Münchener Rathaus

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