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BA 24.04.2003
Birkenfelder Anzeiger, 24.04.2003
Jusos im Gespräch mit Überlebendem des KZ Auschwitz
Zu einer Veranstaltung mit Martin Schmitz, einem Überlebenden des KZ Auschwitz hatte der Juso-Kreisverband nach Idar-Oberstein eingeladen. Auf Initiative von Vorstandsmitglied Sandra Reichert war die Veranstaltung zustande gekommen. Schmitz der bereits zu Beginn dieses Jahres das Gymnasium in Birkenfeld besuchte, hatte die Einladung der Jusos sofort angenommen.
Mehr als zwei Stunden herrschte absolute Ruhe im Raum. Beeindruckt hörten die zumeist jugendlichen Besucher dem Lebensbericht des 81jährigen Schmitz zu. Erst seit kurzer Zeit berichtet Schmitz, zumeist einem jüngeren Publikum, seine Erlebnisse. Er will den jungen Menschen durch seine eigenen Erinnerungen verdeutlichen, was tatsächlich während der Zeit des Nationalsozialismus passiert ist. Ihn ärgert dabei, dass viele immer noch Auschwitz und die Verbrechen der Nazis leugnen.
Während sich für die Familie Schmitz in der Heimatstadt Traben-Trabach kaum Antisemitismus feststellen ließ, sammelte Martin Schmitz bereits in der Schulzeit erste negative Eindrücke der Nazis. Ein Lehrer in Uniform schikanierte ihn systematisch. Die „Arisierung“ der Nazis zwang die angesehene Familie ihr Geschäft zu schließen und nach Köln zu ziehen, wo Schmitz gemeinsam mit seinem Vater bald zwangsweise im Gleisbau arbeitete. Dass ihm die dabei erlernten Fähigkeiten wenig später wahrscheinlich das Leben rettete, konnte Schmitz zu diesem Zeitpunkt sicherlich nicht ahnen. 1941 wird die Familie nach Auschwitz deportiert. Direkt bei der Ankunft wird Martin Schmitz von seinen Eltern getrennt. Er sollte nie wieder etwas von seinen Eltern hören. Im Konzentrationslager muss er bei Bauarbeiten für Nebenlager arbeiten und kann dabei auf seine in Köln erlernten Fähigkeiten zurückgreifen. Anfang 1945 führt ihn ein Todesmarsch nach Bergen-Belsen. Bei der Befreiung durch englische Truppen wiegt er nur noch 25 Kilo und sein Gesundheitszustand ist äußerst kritisch. In einem Speziallazarett kann er sich langsam erholen. Schmitz zieht es wieder an die Mosel. Eine Auswanderung kam für den Heimatverbundenen nicht in Frage. Nach dem Krieg arbeitet Schmitz bis zu seiner Pensionierung bei der Kreisverwaltung in Bernkastel-Kues. Juso-Kreisvorsitzender Holger Noß dankte Schmitz für seine Bereitschaft, sich mit den Jusos zu treffen. „Da ist nicht der erhobene Zeigefinger, der moralisiert. In den Ausführungen ist immer von der Schuld Einzelner die Rede. Und genau hier setzt auch neben der Information der jungen Generation das Ziel von Schmitz an: die Aufforderung an die Schuldigen, auch die Verantwortung ihrer Verbrechen zu übernehmen.“, so Noß. Er hoffe, dass noch viele junge Menschen die Gelegenheit nutzen können, mit diesem bewundernswerten Mann zu reden. Bemerkenswert sei der Optimismus von Martin Schmitz, so der Organisations- und Planungsreferent der Jusos, Christopher Wahl. Trotz der schlimmen Erlebnisse könne man in den Berichten stets die positive Lebenseinstellung des Moselaner spüren. Wahl verwies am Ende der Veranstaltung auf die in den nächsten Wochen stattfindenden Veranstaltungen, zu den Themen Europa, SPD-Geschichte und Medien. Besonders machte er aber auf die am 29. Mai stattfindende Zeitzeugenfahrt nach Bonn aufmerksam, die auch ein Treffen mit dem ehemaligen Bundesminister Prof. Dr. Horst Ehmke beinhalten wird.
Zeitzeuge Martin Schmitz im Gespräch mit den Jusos aus dem Kreisverband Birkenfeld.

