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BA 02.04.2003
Birkenfelder Anzeiger, 02.04.2003
Jusos erinnerten an Abstimmung
Vor genau 70 Jahren kam es im Reichstag zur Abstimmung über Hitlers Ermächtigungsgesetz. Einzig die SPD stimmte damals mit „Nein“. Der Juso-Kreisverband und der Juso-Landesverband erinnerten mit einer Veranstaltung in der Jahnturnhalle an das Ereignis.In ihren Grußworten gingen der Kreisvorsitzende Holger Noß, Landesvorsitzender Christian Z. Schmitz und SPD-Kreisvorsitzender Hans Jürgen Noss, MdL auf die besondere Bedeutung dieser Abstimmung für die SPD und die deutsche Geschichte ein. Die Redner nutzten dabei die Gelegenheit auch Bezug auf die aktuelle politische Situation zu nehmen. Es sei wichtig, so Holger Noß, aus der Vergangenheit zu lernen und daraus Schlüsse für die Gegenwart und die Zukunft zu ziehen.
Aus historischen Texten und Aufzeichnungen der Reichstagsabgeordneten Josef Felder und Wilhelm Hoegner hatten die Jusos eine Textcollage erstellt. Eindrucksvoll trugen Ruth Keller, Jana Lambur und Stefanie Brill die Texte vor, die die Stimmung innerhalb der Fraktion vor und während der Abstimmung wiedergaben. Bereits vor der Abstimmung waren einzelne Abgeordnete verhaftet worden. Viele Abgeordnete wurden auch für den Fall einer Ablehnung des Gesetzes durch die SPD mit dem Leben bedroht.
Schließlich wurde der Redemitschnitt von Otto Wels, der mit den berühmten Worten „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht!“ das „Nein“ der SPD im Reichstag begründete, vorgespielt. Dazu wurde mit einer Präsentation das Schicksal der insgesamt 120 SPD-Reichstagsabgeordneten wiedergegeben. Fast alle wurden in Konzentrationslager gesperrt, viele fanden dort auch ihren Tod. Andere nahmen sich aus Verzweiflung das Leben oder flohen ins Ausland. Auch der Idar-Obersteiner Reichstagsabgeordnete Emil Kirschmann stimmte damals mit „Nein“. Landrat Axel Redmer ging in seinem Vortrag auf das Leben von Kirschmann ein. Kirschmann floh bereits wenige Wochen nach der Abstimmung zuerst ins Ausland. Über das Saargebiet und Frankreich, wo er den vielen Emigranten humanitäre Hilfe leistete, führte sein Weg schließlich in die USA. Von dort organisierte er nach 1945 Care-Pakete für den Landkreis Birkenfeld. Kurz vor der geplanten Rückkehr nach Deutschland 1949 starb Kirschmann.Höhepunkt der Veranstaltung war sicherlich das abschließende Konzert von Sonja Gottlieb. Unter dem Motto „Lieder für eine hellere Zukunft“ präsentierte die Künstlerin ein Repertoire aus Friedens- und Arbeiterliedern.

