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BA 30.10.2002
Birkenfelder Anzeiger, 30.10.2002
Jusos erlebten gelebte Geschichte mit „Ben Wisch“
Zu einer „Geschichtsstunde“ der besonderen Art hatte der Juso-Kreisverband Birkenfeld eingeladen. Dem Vorsitzenden Holger Noß war es gelungen, den ehemaligen Bundesminister und Nahostexperten Hans-Jürgen Wischnewski („Ben Wisch“) für ein Treffen in Köln zu gewinnen. Rund drei Stunden erzählte Wischnewski den zumeist jugendlichen Anwesenden Stationen seines spannenden Lebens. Er berichtete über die Nachkriegszeit, den Wiederaufbau und schließlich seinen Einzug in den Deutschen Bundestag 1957. Als es zur großen Koalition kam, stimmte er in der Fraktion dagegen. Trotzdem bot Brandt ihm am nächsten Tag an, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zu werden. In dieser Funktion kamen ihm die zahlreichen Kontakte in die Länder des Nahen Ostens zugute. Als die SPD in den Umfragen Ende der 60er Jahre immer schlechter wurde und kaum jemand damit rechnete, dass die SPD nach der nächsten Bundestagswahl den Kanzler stellen könnte, wurde Wischnewski der erste Bundesgeschäftsführer der Partei und trug mit dazu bei, dass das Ziel, zum ersten Mal in der deutschen Nachkriegsgeschichte den Kanzler zu stellen, realisiert werden konnte. Nach dem Rücktritt Brandts bat Helmut Schmidt ihn Staatsminister im Bundeskanzleramt zu werden, eine Funktion, in der er schnell zum „Feuerwehrmann der Nation“ wurde. Nach der Entführung einer Lufthansa-Maschine vor genau 25 Jahren leitete der damalige Kanzleramtsminister Wischnewski die spektakuläre Befreiung von 91 Geiseln in Mogadischu durch die GSG 9. Auch in späteren Jahren zum Beispiel bei den Friedensverhandlungen in Nicaragua war Wischnewski in wichtigen Missionen weltweit unterwegs. Die jahrzehnte dauernden Freundschaften mit Staats- und Regierungschefs in der ganzen Welt, trugen oftmals zum Gelingen seiner heiklen Aufträge bei.
In der ausführlichen Fragerunde ging Wischnewski auch auf den aktuellen „Kampf gegen den Terror“ und den Nahostkonflikt ein. Auch hier zeigte er sich bestens informiert. Auch persönlichen Fragen wie sein Verhältnis zum Glauben ging er nicht aus dem Weg. Wischnewski gratulierte den Jusos zu dieser Art der Veranstaltungen. „Mein Gesundheitszustand erlaubt es mir leider nicht mehr viele Termine wahrzunehmen, aber Eurer Bitte zu einem Treffen mit mir konnte ich nicht ablehnen. Politik für die Zukunft kann nur der machen, der auch über vergangene Politik Bescheid weiß!“, so Wischnewski. Auch im nächsten Jahr wird es wieder eine solche Fahrt geben, versprach Kreisvorsitzender Holger Noß
Widmete den Jusos von der oberen Nahe fast drei Stunden: Ex- Minister und Nahost- Experte Hans- Jürgen Wischnewski, der als "Ben Wisch" nicht nur beim Geiseldrama 1977 in Mogadischu Geschichte schrieb.

