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BA 03.06.1998
Birkenfelder Anzeiger 03.06.1998
Christa Müller referierte bei den Jusos
Rund 40 Zuhörer - darunter MdL Axel Redmer - waren der Einladung der Birkenfelder Jungsozialisten und der Juso-Hochschulgruppe zum Vortrag von Christa Müller über das Thema Globalisierung« gefolgt. Ausführlich stellte die Wirtschaftsexpertin der Friedrich-Ebert-Stiftung die Kernthesen ihres Buches Keine Angst vor der Globalisierung - Wohlstand und Arbeit für alle' das sie gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem SPD-Bundesvorsitzenden Oskar Lafontaine, verfaßt hat, dem Publikum vor.
Nach Auffassung der 42jährigen Diplom Volkswirtin und Diplom-Kauffrau ist nicht die Globalisierung und der verschärfte Internationale Wettbewerb für die Arbeitslosigkeit verantwortlich, sondern die verfehlte Wirtschafts- und Finanzpolitik der Bundesregierung. Angesichts boomender Exporte und Aufwertungen der D-Mark sei es geradezu grotesk, die mangelnde Konkurrenzfähigkeit, des Standort Deutschland zu behaupten. Pro Kopf gerechnet weise Deutschland den höchsten Exportüberschuß aller Länder auf. Auch sei weltweit der Anteil des Internationalen Außenhandels In den letzten 80 Jahren lediglich von 13 auf 17 % gestiegen, was sich auch zukünftig nicht wesentlich verändern werde, so Müller.
Verantwortlich für die Arbeitslosigkeit sind für die ehemalige EG-Mitarbeiterin neben der restriktiven Haushaltspolitik des Bundes die zu niedrigen Lohnabschlüsse in Deutschland, die unter dem Produktivitätszuwachs liegen und damit die Ursache für die schwache Binnennachfrage sind. Da im Inland die Nachfrage fehlt, investieren die Unternehmen verstärkt im Ausland, wobei aber auch strategische Überlegungen eine Rolle spielen.
Um die Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen, empfiehlt die Ökonomin internationale Vereinbarungen, die soziale und ökologische Standards garantieren und sich beispielsweise gegen die Kinderarbeit in der Dritten Weh wenden. Neben einer keynesianischen Wirtschaftspolitik stelle auch die ökologische Steuerreform eine ökonomische Notwendigkeit dar. Um Dauerarbeitslosigkeit, die insbesondere Geringqualifizierte trifft, zu beseitigen, empfiehlt die Saarländerin staatliche Lohnsubventionen für die Bezieher von Niedriglöhnen, die heute vielfach schlechter gestellt seien, als Sozialhilfeempfänger.
Der Einführung des EUROs steht Christa Müller prinzipiell positiv gegenüber, da der Wegfall von Wechselkursschwankungen zwischen den einzelnen europäischen Währungen der Wirtschaft zu Gute käme. Müller wies aber auch auf Gefahren hin. Wenn es nicht gelingt, in der EU eine produktivitätsorientierte Lohnpolitik zu machen, können durch den EURO zahlreiche Arbeitsplätze verloren gehen.

