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Treffen mit Karl Richter

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Jusos trauern um Karl Richter

Noch vor wenigen Tagen nutzten Juso-Kreisvorsitzender Holger Noß und Juso-Kreisgeschäftsführer Markus Ackermann den Besuch des Juso-Kreisverband in Berlin, um sich mit dem 101-jährigen SPD-Urgestein Karl Richter in dessen Privatwohnung in Spandau zu treffen. Nun ereilte uns die Nachricht, dass Richter in der Nacht vom 19. auf den 20. September gestorben ist. Richter ist 85 Jahre Mitglied der SPD gewesen. Er trat also in jenem Jahr der SPD bei, in dem auch im Kreis Birkenfeld Jusos gegründet wurden.
Im Gespräch berichtete er über seine Partei- und Gewerkschaftsarbeit. Er, der bis zu seinem Tode die aktuellen Nachrichten aufmerksam verfolgte und wohl auch noch den Wahlabend verfolgte, ging im Gespräch auch auf die aktuelle Situation der SPD ein.
Bei unserem Abschied ermahnte er uns, dass wir ganz bewußt auf dem alten Weg weiterarbeiten und das, was an der Organisation (SPD) hängt, wieder in den Griff zu bekommen.(Abschied als mp3 [145 KB] )
Wir baten ihn, der 85 Jahre Mitglied der SPD war, für unsere 85-Jahr Feier, ein paar Worte als Glückwunsch aufs Band zu sprechen. Diese Worte, ein Auszug aus seiner Biografie, sind so etwas wie sein Lebensresümee geworden.

"So leben die Erinnerungen fort. Keiner will auf die Erlebnisse und Erfahrungen verzichten. Unser Wandern war Freiheit. Ein Blick in die weite Ferne. Wir wollten die Welt erfahren, das Wissen erweitern. Wir fühlten in uns die Verpflichtung, mitzuwirken und Mitverantwortung zu übernehmen. Das war eine notwendige Entscheidung angesichts der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnissen in unserem von Krisen erschütterten Land."

Gratulation als mp3 [528 KB] (aufgezeichnet am 03.09.2005)

Trauer um Karl Richter [20.09.2005]

"Die deutsche Sozialdemokratie trauert um ihren langjährigen Genossen, aufrechten Mitstreiter und engagierten Freund, Karl Richter." Das erklärte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering zum Tod des Berliner Sozialdemokraten. Karl Richter war in der Nacht zum 20. September im Alter von 101 Jahren verstorben. Der Berliner SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller erklärte: „Mit Karl Richter verstarb gestern eine der beeindruckendsten politischen Persönlichkeiten im Berlin der Nachkriegszeit. Die Berliner SPD und die Gewerkschaften haben ihm viel zu verdanken."

"Karl Richter", so Franz Müntefering, "hat ein gesegnetes Alter erreicht. Am 15. Juli 2005 konnten wir zusammen im Willy-Brandt-Haus seinen 101. Geburtstag feiern. Sein Leben stand ganz im Dienste der großen Ziele der Arbeiterbewegung: Freiheit, Gerechtigkeit, Solidarität. Ihrer Verwirklichung hat Karl sich seit früher Jugend verpflichtet gefühlt und nimmermüde bis in die jüngste Zeit mitgeholfen, seine SPD und seine Gewerkschaft zu stärken.Karl war 85 Jahre Sozialdemokrat. Als gelernter Buchdrucker kam er aus dem Milieu einer sehr lebendigen Arbeiterkultur und setzte sich früh mit der Gedankenwelt der Arbeiterbewegung auseinander. Für sein Leben hat er daraus einen ganz entscheidenden Schluss gezogen, nach dem er immer gehandelt hat: Du musst das Leben so nehmen wie es ist und es dann verändern.
Daraus erklärte sich sein Engagement in der Gewerkschaft und in der SPD: Mithelfen, es besser zu machen, nicht zuzuschauen, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Die aufziehende Nazi-Diktatur hat er zusammen mit seinen Genossinnen und Genossen von Anfang an entschieden bekämpft. Aus der bitteren Erfahrung, dass auch der entschiedene Widerstand den Krieg und die Diktatur nicht verhindern konnte, rührte auch Karls Einsatz für die junge Demokratie unmittelbar nach 1945. Seinen Überzeugungen ist er auch in den schweren Zeiten während seiner Zwangsarbeit in einem Wehrmachts-Baubataillon immer treu geblieben.
Karl Richter und seine Frau waren 1946 Bezirksverordnete der ersten Stunde in Berlin. Er war zunächst Sekretär der IG-Druck und Papier, dann ihr Landesvorsitzender. Die internationale Tradition der Arbeiterbewegung hat er mit zahlreichen Reisen nach Israel, Schweden und in die Vereinigten Staaten aufrechterhalten und gefestigt. Die Freundschaft zu anderen Ländern und die gelebte Solidarität mit den Menschen dort ist Teil seines Lebenswerkes.
In seiner Lebensgeschichte verkörpert sich beispielhaft die Kraft und die Stärke der Arbeiterbewegung. Karl war bis ins hohe Alter politisch interessiert und engagiert. Wir verlieren einen wertvollen Ratgeber und treuen Mitstreiter für die sozialdemokratische Idee. Wir sind stolz darauf, dass Karl Richter einer von uns war und werden ihn nicht vergessen."

Der SPD-Landesvorsitzende Michael Müller: "Der gelernte Buchdrucker Karl Richter war 85 Jahre Mitglied der SPD und neben vielen anderen Funktionen Gründer und Ehrenmitglied der Berliner Arbeitsgemeinschaft 60 plus sowie langjähriger Vorsitzender der Gewerkschaft IG Druck und Papier in Berlin. Für sein außergewöhnliches gesellschaftliches Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse, dem Ehrenzeichen des Arbeiter-Samariter-Bundes in Silber und der Ehrenmedaille des Bezirksamtes Reinickendorfs. In seiner Biografie verdeutlicht sich die politische Nähe, die sozialdemokratische Politik und gewerkschaftliches Handeln haben. Seine Buchdruckerausbildung und seine Verbindung mit diesem Handwerk haben dabei stets für Anbindung an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gesorgt, für die er sich einsetzte. Wie kein anderer stand Karl Richter mit seinem Leben und seiner Arbeit für den Kampf um soziale Gerechtigkeit, Arbeitnehmerrechte und gegen Diktatur und Unterdrückung. Als Sozialdemokrat und als Gewerkschafter war er uns bis zu seinem Tod ein wichtiger Ratgeber. Sein hohes Ansehen in der Berliner SPD und die Verehrung, die ihm entgegen gebracht wurde, beruhen auf seiner politischen Wachsamkeit, die ihn bis zum Ende nicht verlassen hat. Sein Motto, ‚Man muss das Leben so nehmen, wie es ist, aber man darf es nicht so lassen’, ist zum Leitmotiv Vieler in der SPD geworden. Die Berliner SPD trauert um Karl Richter.“

 

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